Krankengeld 2026: nach 6 Wochen, 78 Wochen & Aussteuerung

Krankengeld 2026: nach 6 Wochen, 78 Wochen & Aussteuerung

14.03.202615 Min. LesezeitAktualisiert: 08.08.2026

Krankengeld 2026: Höhe nach 6 Wochen, 78 Wochen und Aussteuerung

Krankengeld beträgt grundsätzlich 70 % des Bruttoentgelts, aber höchstens 90 % des Nettoentgelts. Danach werden Sozialabgaben abgezogen; das Höchstkrankengeld 2026 liegt brutto bei etwa 135,63 € pro Tag. Für Ihren Betrag nach sechs Wochen nutzen Sie den Krankengeld-Rechner.

Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die Arbeitnehmer erhalten, wenn sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Es soll den Verdienstausfall zumindest teilweise kompensieren und ist in den §§ 44–51 SGB V geregelt.

Der Anspruch auf Krankengeld besteht grundsätzlich für GKV-Pflichtversicherte mit entsprechendem Anspruch. Nicht anspruchsberechtigt sind unter anderem Familienversicherte, geringfügig Beschäftigte im Minijob und freiwillig Versicherte mit dem ermäßigten Beitragssatz (14,0 %).

In den ersten 6 Wochen einer Erkrankung zahlt der Arbeitgeber 100 % des Gehalts als Entgeltfortzahlung (§ 3 EntgFG). Erst danach springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein. Schnellwerte und Fristen stehen in der Krankengeld-Tabelle 2026; das Tagesmaximum erklärt Höchstkrankengeld 2026.

Krankengeld berechnen: Die Formel

Die Berechnung des Krankengeldes folgt einer klaren Formel mit zwei Obergrenzen:

  • Stufe 1: 70 % des Brutto-Regelentgelts (§ 47 Abs. 1 SGB V)
  • Stufe 2: Maximal 90 % des Netto-Regelentgelts
  • Es gilt der niedrigere Betrag.
  • Stufe 3: Abzug der Arbeitnehmeranteile für Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (ca. 12 %)
Brutto-Gehalt70 % BruttoNetto-Gehalt90 % NettoKG brutto (niedrigerer Wert)KG netto (−12,4 %)
2.500 €1.750 €1.750 €1.575 €1.575 €ca. 1.380 €
3.500 €2.450 €2.400 €2.160 €2.160 €ca. 1.892 €
4.500 €3.150 €2.900 €2.610 €2.610 €ca. 2.286 €
5.812,50 € (BBG)4.069 €3.700 €3.330 €3.330 €ca. 2.917 €

Das Regelentgelt umfasst das regelmäßige Arbeitsentgelt der letzten 12 Monate vor der Arbeitsunfähigkeit — ohne einmalige Zahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld. Nutzen Sie unseren Krankengeld-Rechner für eine individuelle Berechnung.

Höchstkrankengeld 2026: Brutto & Netto

Das Höchstkrankengeld wird durch die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der GKV begrenzt. Für 2026 gilt:

KennzahlWert 2026
Beitragsbemessungsgrenze (BBG)69.750 €/Jahr = 5.812,50 €/Monat
Kalendertägliches Regelentgelt5.812,50 € ÷ 30 = 193,75 €
Höchst-KG brutto/Tag193,75 × 70 % = 135,63 €
Höchst-KG brutto/Monat135,63 × 30 = ca. 4.069 €
Abzüge ohne KinderlosenzuschlagRente 9,3 % + Pflege 1,8 % + ALV 1,3 % = 12,4 %
Höchst-KG netto/Tagca. 118,81 €
Höchst-KG netto/Monatca. 3.564 €

Wer mehr als die BBG verdient, erhält trotzdem maximal das Höchstkrankengeld. Die BBG stieg von 66.150 €/Jahr im Jahr 2025 auf 69.750 €/Jahr im Jahr 2026.

Krankengeld nach 6 Wochen: Der Übergang

Der Übergang von der Entgeltfortzahlung zum Krankengeld erfolgt nahtlos — aber der finanzielle Einschnitt ist erheblich:

PhaseZeitraumZahlerHöhe
EntgeltfortzahlungTag 1 – Woche 6Arbeitgeber100 % des Bruttogehalts
KrankengeldAb Woche 7GKV (Krankenkasse)ca. 60–65 % netto des Gehalts

Wichtig: Seit 2023 übermittelt der Arzt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) elektronisch direkt an die Krankenkasse. Sie müssen die AU nicht selbst einreichen — aber den Arbeitgeber weiterhin informieren.

Die Krankenkasse prüft den Krankengeld-Antrag und beginnt mit der Zahlung in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen nach Ende der Entgeltfortzahlung. Stellen Sie sicher, dass Ihre Bankverbindung bei der Kasse aktuell ist.

78-Wochen-Frist & Aussteuerung

Der Anspruch auf Krankengeld ist auf maximal 78 Wochen (546 Tage) für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren begrenzt (§ 48 SGB V). Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung zählen mit.

Wichtige Sonderregeln zur Frist:

  • Bei einer neuen, anderen Krankheit beginnt eine separate 78-Wochen-Frist — auch wenn Sie bereits wegen einer anderen Krankheit Krankengeld beziehen.
  • Sind Sie mindestens 6 Monate arbeitsfähig und erkranken erneut an derselben Krankheit, beginnt eine neue 78-Wochen-Frist.
  • Die Blockfrist (3-Jahres-Fenster) beginnt mit dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit für diese Diagnose.

Nach 78 Wochen endet der Krankengeldanspruch — man spricht von Aussteuerung. Die Krankenkasse informiert Sie ca. 3 Monate vorher. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie aktiv werden. Die einzelnen Schritte erklärt der Ratgeber Aussteuerung Krankengeld 2026:

  • Meldung bei der Agentur für Arbeit — mindestens 3 Monate vor Ende des Krankengeldes
  • Reha-Antrag bei der DRV (Deutsche Rentenversicherung) — „Reha vor Rente"
  • Erwerbsminderungsrente beantragen — wenn eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit absehbar ist

Krankengeld für Selbstständige

Selbstständige in der GKV haben nur unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Krankengeld:

BeitragssatzKrankengeld-AnspruchBeginn
14,6 % (voller Satz)Ja, gesetzlicher AnspruchAb Tag 43
14,0 % (ermäßigter Satz)Kein Anspruch
Wahltarif KrankengeldJa, ab gewähltem TagAb Tag 15, 22 oder 43

Tipp für Selbstständige: Der ermäßigte Beitragssatz spart monatlich ca. 40–80 €, aber der Krankengeldanspruch entfällt komplett. Alternative: Eine private Krankentagegeldversicherung (ca. 20–80 €/Monat, je nach Alter und gewünschtem Tagessatz). Vergleichen Sie den Preis über unseren PKV-GKV-Vergleichsrechner.

Arbeitslosengeld nach Krankengeld: Nahtlosigkeitsregelung

Die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III) kann ein wichtiges Sicherheitsnetz sein: Wenn das Krankengeld endet und die Erwerbsfähigkeit noch nicht geklärt ist, kann Arbeitslosengeld I (ALG I) nach § 145 SGB III möglich sein. Die Agentur für Arbeit prüft die Voraussetzungen.

Voraussetzungen:

  • Meldung bei der Agentur für Arbeit mindestens 3 Monate vor Ende des Krankengeldes
  • Sie waren in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt
  • Ein Rentenantrag wurde gestellt (die DRV prüft, ob Erwerbsminderung vorliegt)

ALG I-Höhe: Häufig ca. 60 % des letzten Nettogehalts (67 % mit Kindern). Dauer und Zahlung hängen vom Bescheid, der Meldung und der weiteren Prüfung durch Agentur für Arbeit, ärztlichen Dienst und gegebenenfalls DRV ab. Weitere Informationen zu Zuzahlungen finden Sie im GKV-Zuzahlungen Leitfaden.

Krankengeld versteuern: Progressionsvorbehalt

Krankengeld ist steuerfrei — unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Das bedeutet:

  • Das Krankengeld wird nicht direkt besteuert.
  • Es wird aber bei der Steuererklärung zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet, um den persönlichen Steuersatz zu ermitteln.
  • Der höhere Steuersatz wird dann auf das übrige steuerpflichtige Einkommen angewandt.

Praxisbeispiel: Wenn Sie 6 Monate lang Krankengeld von 2.000 €/Monat erhalten (= 12.000 € Krankengeld) und daneben noch 20.000 € steuerpflichtiges Einkommen haben, berechnet das Finanzamt den Steuersatz für 32.000 € — wendet ihn aber nur auf die 20.000 € an. Das kann eine Steuernachzahlung von 500–1.500 € bedeuten.

Die Krankenkasse meldet das ausgezahlte Krankengeld automatisch ans Finanzamt. Nutzen Sie unsere Krankengeld-Tabelle für eine Übersicht aller Phasen und Berechnungsgrundlagen.

Quellen & Referenzen

  • BMG – Bundesministerium für Gesundheit: Krankengeld — Anspruch und Berechnung
  • SGB V §§ 44–51: Krankengeld — gesetzliche Grundlagen
  • BMG/Bundesregierung: Sozialversicherungsrechengrößen 2026 — Krankenversicherung BBG 69.750 €/Jahr
  • Bundesagentur für Arbeit: Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III)
  • DRV – Deutsche Rentenversicherung: Übergangsgeld und Erwerbsminderungsrente

Häufig gestellte Fragen